Montag, 22. Dezember 2008

Das entzauberte Jahrzehnt



geblendet und verführt

Am 11. Dezember 2008 wurde der 70-jährige Bernard Madoff in seinem Manhattan Apartment verhaftet. In der amerikanischen Presse wird er als der grösste Betrüger in der Geschichte von Wall Street klassiert. Bis zum 11. Dezember allerdings galt er als das grösste Finanzgenie der Menschheit. Was für ein Wandel. Wer bei ihm anlegen durfte, glaubte in die Ivory League des Finanznirwanas aufgenommen worden zu sein. Hunderte von Privatpersonen, Pensionskassen und Hilfsorganisationen haben schätzungsweise 50 Milliarden Dollar verloren. Das ist so viel wie die gesamten Jahreseinnahmen des Bundes im Jahre 2007.

Nein, es waren nicht die kleinen Leute, die sich jede Woche von einem Lottogewinn locken lassen. Es waren die Grossen und Gebildeten, die UBS zum Beispiel mit ihren Hunderten von Analysten. Keiner hat ihn hinterfragt, auch nicht der ehemalige Generalstaatsanwalt und Gouverneur von New York, Eliot Spitzer, der den Vorsitzenden der New Yorker Börse Richard A. Grasso wegen Amtsmissbrauch zu Fall gebracht hatte, und der selber bei Madoff Millionen verloren hat. Der Glaube an den Magier Madoff war schon fast kindlich.

Wir erleben in diesem Jahrzehnt den Niedergang einer ganzen Branche von Magiern, für die wir unseren gesunden Menschenverstand aufgegeben haben. Angefangen hat es mit der Entzauberung von McKinsey, „trusted advisor and counselor“, wie sie sich bezeichnen, die mit ihrer Hunterstrategie und ihrer Präsentationsmagie, mit dem sie den VR der Swissair geblendet haben, den Niedergang der Swissair ausgelöst haben. Einst galten sie als geachtete Propheten der Wirtschaft, heute gelten sie als extrem störungsanfällig.

In diesem Jahr verloren die Banken ihren Glamour und ihren Zauber. Marcel Ospel, der allerseits gefeierte und gefürchtete Wizzard, der noch im Jahre 2005 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Rochester geehrt wurde, ist tief gefallen, als er im Oktober 2008 aus der Kronenhalle verbannt wurde. Bei mir kommt allerdings keinerlei Schadenfreude auf....

Fortsetzung folgt

2 Kommentare:

isabelle hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Kurt Schmid hat gesagt…

NEW YORK (CNN) -- Thierry de la Villehuchet, a hedge fund adviser and investor whose firm said he lost $1.5 billion investing with Wall Street adviser Bernard Madoff, was found dead in his office in an apparent suicide Tuesday, police said.