Dienstag, 2. Dezember 2008

Geschwindigkeitslehre: They must go...



Das Menschenrecht auf Leichtsinn lässt sich zu keiner Zeit unterdrücken. Das auf Ideologie leider auch nicht.

Der mathematische Bluff, die Elektronisierung des Weltverkehrs und ein Menschenbild, das uns als vernünftige Langzeitrechner darstellte, führten zur grössten Blasenbildung der Weltwirtschaft. Dass der wirkliche Mensch von Leidenschaften getrieben ist, von der Nachahmung lebt, unberechenbar, chaosanfällig, trüb und repetitiv ist, wurde aus ideologischen Gründen ignoriert.

Die gesamte bisherige Menschheitsgeschichte ist eine Geschichte der mittleren Geschwindigkeiten gewesen. Die Bildung von Grossreichen hat sich bisher immer in einer Welt von menschlichen Geschwindigkeiten abgespielt. Die Industrialisierung hat die Ortsbeweglichkeit, welche bisher von der Geschwindigkeit der Pferden und der Hochseeschifffahrt bestimmt war, zum ersten Mal revolutioniert.

Mit der Elektronisierung des Weltverkehrs in den letzten dreissig Jahren sind wir in ein Zeitalter der übermenschlichen Geschwindigkeit getreten. Das Internet hat den Raum aufgehoben und die Kapitalströme konnten in einem nicht überschaubaren Netzwerk frei floaten. Auf diesen zweiten Wildwuchs, auf diesen zweiten Jungle, auf diese zweite Externalität, welche die Digitalisierung hervorgebracht hat, konnten die digitalen Immigranten nicht vorbereitet sein.

Der Grössenwahn ist aus den Personen ausgewandert und in das System selber externalisiert worden. Der Kartenhauscharakter unserer Weltkonstruktion verstärkte sich, das System wurde verrückter als die Menschen selbst, und Playboys und Prayboys verzockten darin in einem unglaublichen Spieltrieb, auf ihrer märchenhaften Schatzsuche, in ihrem Traum vom leistungslosen Einkommen Billionen von Dollars.

Ein Ziel von New Ecology ist es, diese unmenschlichen, wahnsinnigen Geschwindigkeiten des technologischen Zeitalters nachhaltiger in das zivilisatorische Treibhaus zu integrieren.

Die jungen Digital Natives dürfen sich nicht mehr länger in diesem elektronischen Labyrinth verirren. Häppchenjournalismus und MTV Schnitte führen ins Abseits. Wenn sie vielleicht auch mal ihre Eltern, andere überforderte digitale Immigranten oder gar digitalen Flüchtlinge bei der Migration in die digitale Welt unterstützen würden, könnten sich unerwartete Win-Win-Situationen ergeben..

Dass diese Brücke zwischen Generationen gebaut werden kann, bedingt es allerdings eine Entschleunigung des Tempos in unserer multioptionalen, crossmedialen Informations- und Mediengesellschaft.

PS: Eines der wenigen Bücher, das ich an der Kantonsschule Zug zu Ende gelesen habe, war das Werk von Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit.

So, was ist nun die Keimzelle der Gesellschaft? Die Pädagogik, die Medien oder doch die Familie?

Your FRIEND and HUMBLE narrator.

to be continued...

1 Kommentar:

isabelle hat gesagt…

Menschlich all zu menschlich?
Das Gefühl für Geschwindigkeit entwickelt sich mit den jeweiligen Kulturen. Sicher haben die Mongolen, die auf ihren kleinen Pferden über die Steppen galoppierten, das Gefühl gehabt beflügelt zu sein. Jetzt benutzen die heutigen Mongolen Motorräder und Lastkraftwagen und erleben die Geschwindigkeit anders. Selber die Fluggeschwindigkeit der A320 empfinden wir als normal, weil sie inzwischen zu unseren Referenzen gehört. Die Internet Verbindungen gehören auch jetzt zu unserem Weltverständnis. Wir können heutzutage Informationen abrufen und verschicken genau so schnell, wie uns die Gedanken in den Sinn kommen. Diese übermenschliche Geschwindigkeit der Technik ahmt die Formen des Denkens in unserem Gehirn nach. Das ist wahrscheinlich der Grund, wieso wir mit diesem Wunder recht gut umgehen können. Es sieht so aus, als hätten wir Menschen weniger Probleme mit der Geschwindigkeit der Übertragungen als mit der Verarbeitung der Informationen, die bei uns ständig ankommen. Könnte es sein, dass uns weniger die Geschwindigkeit überfordert als die Masse der Informationen. Der Mensch im Mittelalter konnte viele Probleme überhaupt nicht lösen, weil ihm die Informationen gefehlt haben oder, wenn die Informationen bereits vorhanden, diese für ihn noch nicht lesbar waren und trotzdem wurden Kathedralen gebaut, die heute noch stehen. Wir haben Zugang zu allen Bereichen des Wissens, sind aber nicht in der Lage, allein aus diesem Chaos eine logische Linie zu entdecken. Es scheint mir, dass daraus die Notwendigkeit entsteht, uns als Teil grösseren Gemeinschaften zu verstehen und so die Informationsmasse als Gruppe aufzunehmen und quasi in menschlich reduzierten Grössen zu verarbeiten. So wird der leidenschaftliche, launische, chaotische Mensch wieder einen Platz haben. Seine Aufgabe, die Informationen im Rahmen von neu definierten Interessengruppen zu verstehen und zu neuen Inhalten zu gestalten, wird ihm die Zeit zurückschenken. Vielleicht werden die Visionen der Zukunft in dieser zurückeroberten menschlichen Zeit kreiert werden?